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Zum Thema

Architektur

Holzrahmenbau
Holzrahmenbau

Umweltverträgliches Bauen im Nationalpark

Wo Verständnis für Umwelt und Natur geweckt wird, sollte auch der äußere Rahmen stimmen. Das war den zahl-
reichen Initiatoren des Projekts, unter anderem der Umweltstiftung WWF Deutschland und der Stadt Sassnitz, schon im Vorfeld der fast zweijährigen Bauzeit klar. Daher lag der Fokus auf umweltverträglichem und energiesparendem Bauen. Alle Bauelemente wurden vor ihrem Einsatz auf umweltgerechte Materialien hin geprüft. Nachweislich wurden für das Bauprojekt nur 2% nicht ausgezeichnet umweltverträgliche Bauelemente eingesetzt. Und das auch nur, weil es keine derartigen Produkte auf dem europäischen Markt gibt.

Neubau aus Altpapier

Ein Ende des 19. Jahrhunderts erbautes Gebäude wurde von 2002 bis Anfang 2004 renoviert und durch einen schneckenförmigen Neubau ergänzt. Eine Dachbegrünung isoliert dessen Decken und verringert zudem die versiegelte Erdfläche. Dabei verarbeiteten Zimmermänner, Maurer und Maler zahlreiche ökologische Baustoffe. Die Fassade des Neubaus verkleideten sie mit Lärchen-
holz, die Farben für den Innen- und Außenanstrich bestehen aus Naturharz-
stoffen. Alle Außenwände wurden mit Zellulose-Wolle gedämmt – ein Baustoff, in dem selbst zerkleinerte Tageszeitungen ein weiteres Mal genutzt werden können.

Nachhaltige Umweltverträglichkeit

Die umweltverträglichen Baumaterialien werden mit  wenig Energie hergestellt. Zudem ist bei ihrem Einsatz eine Belastung durch Schadstoffe nahezu ausge-
schlossen. Sollten später noch bauliche Veränderungen am Haus nötig werden, kann das freigewordene Material sogar wieder verwendet werden. Für den Neubau wurden sowenig Ressourcen wie möglich verbraucht. Das Gebäude ist eine Holzrahmenkonstruktion aus einheimischen Hölzern, die mit aussteifenden Elementen verstärkt wurde. Diese bestehen aus OSB-Platten mit 70%igem FSC Anteil und an der Außenseite sind Holzfaserweichplatten angebracht. Durch diese Konstruktion ist das ganze Gebäude atmungsaktiv.

Ganz schön schräg

Eine Besonderheit im Neubau sind die schrägen Wände. Dazu wurden alle Stüt-
zen vor der Verarbeitung einzeln ausgemessen. Zusätzlich wurden im Innen-
bereich schräge Stützen auf Granitstein gesetzt. Der Multivisionsraum wurde aus Fertigteilen gebaut und erhielt einen speziellen Schallschutz. Die Decke besteht aus Massivholz (Fichte), die mit Weichfaserplatten gedämmt wurde.

Altbau unter Lehm

Der Altbau war ehemals ein Hotel und diente bis zur Wende als Kaserne. Um das Herzstück des  Zentrums – die Erlebnis-Ausstellung – darin unterzubringen, wurden in dem maroden Gebäude zahlreiche Wände entfernt und Räume neu aufgeteilt. Die hierfür verwendeten Gipsplatten sind ebenfalls das Produkt eines Recycling-Verfahrens. Sämtliche Kabel der Haustechnik sind zu 100 Prozent PVC-frei, und für alle Türen und Parkettfußböden wurde nur FSC-zertifiziertes Holz (FSC = Forest Stewardship Council) verwendet. Recycelte Zellulose-Wolle aus Altpapier dient der Dämmung in den Außenwänden. Wie andere Materialien sind auch die Gipsplatten für die Zwischenwände das Produkt eines Recycling-
Verfahrens. Zur effektiven Wärmedämmung wurde an der Außenfassade des Altbaus Schaumglas anstelle von Styropor angebracht. Auch der älteste bekannte Baustoff der Menschheit – Lehm – findet im Nationalpark-Zentrum KÖNIGSSTUHL seinen Einsatz, und zwar als Putz, der einer detailgetreuen Nachbildung der vorherigen Fassade entspricht.

Der Keller

Die erforderliche Abdichtung des Kellers im Altbau erfolgte auf mineralischer Basis. So konnte auf den Einsatz von Bitumen verzichtet werden. Das Fundament und die Decken des Altbaus mussten aufgrund der erhöhten Nutzung verstärkt werden. Dazu wurde unter das auf Feldsteinen gegründete Fundament zusätzlich ein Stahlbetonsockel gesetzt. Um den Einzug von Betondecken zu vermeiden wurden massive Holzlamellendecken eingezogen.

Spezialanfertigungen

Überall im Haus sind Spezialkonstruktionen anzutreffen: So stellt die freistehende Holztreppe im Kreideraum vom Erdgeschoss bis ins Dachgeschoss eine Aus-
nahme dar. Ebenso ist der ovale Fahrstuhl als Eingang zur Ausstellung eine Spezialanfertigung: Durch eine spezielle Hydraulik wurde die Fahrt verlangsamt und auf zwei Minuten ausgedehnt.

Das Bistro

In Gastronomie ist das älteste Detail des Hauses erhalten. Es handelt sich um eine Stahlstütze aus Gusseisen. Das Haus ist komplett behindertengerecht ausgebaut. So ist jede Ebene per Fahrstuhl zu erreichen und auch der schräge Übergang vom Altbau zum Neubau entspricht der Norm.