Wir machen Unsichtbares sichtbar.

Das sind Studenten, Kollegen, alte Schulkameraden oder einfach nur gute Nachbarn. Sie kommen außerhalb der Schulferien und wissen genau, was sie wollen. Sie sind selbstbewusst und haben ihren Urlaub gut geplant.

Reisebericht „Romantik pur“

Sarah und Katarina sind zwei junge Frauen aus Leipzig. Sie waren im Frühling 2014 im Nationalpark Jasmund unterwegs und wollten eigentlich nur am Kreidekliff wandern gehen.

Romantik pur - Studentin genießt die schöne Natur.

Ein Traum! Das Wasser, die Wälder, die Kreideküste ...

Audio-Reisebericht von Sarah und Katarina

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Hallo lieber Unbekannter, ich wünsche Dir viel Spaß beim Lesen oder Zuhören. Übrigens war die Stimme natürlich nicht wirklich die von Brad Pitt, sondern die seines deutschen Synchronsprechers.

Katarina, Studentin aus Leipzig

TEXT-VERSION

Romantik pur

Es war eine spontane Idee, nach Rügen zu kommen. Ich wollte meine Woche Urlaub nicht komplett in Leipzig verbringen, und auch Sarah brauchte eine Pause, weil sie mit ihrer Bachelorarbeit nicht weiter kam. Der perfekte Zeitpunkt also für einen Beste-Freundinnen-Kurztrip. Sarah war schon oft auf Rügen, für mich ist es das erste Mal. Aber ich werde mit Sicherheit wiederkommen, denn die Insel ist ein Traum! Das Wasser, die Wälder, die Kreideküste... drei Tage sind eindeutig zu kurz.

Am ersten Tag haben wir Sassnitz erkundet: den Hafen, die Mole – die übrigens die längste Außenmole Europas ist! – und die Altstadt. In die kleinen Gassen hab ich mich sofort verliebt und der Reiseführer hatte Recht, sie erinnern an Italien. Was ich beim Lesen noch für „leicht“ übertrieben hielt. Wir sind dann weiter in Richtung Norden, an der wunderschönen Kurmuschel vorbei und am Strand lang, wo viele kleine Steintürmchen standen. Ein bisschen mulmig war uns schon, als die Küste zu unserer Linken immer höher wurde, aber zum Glück wurde der Strand schnell wieder breiter. So konnten wir den Anblick, der sich uns bot, auch viel entspannter genießen, denn direkt vor uns standen sie: die majestätischen Kreidefelsen. Ich hatte nicht gedacht, dass sie soo hoch und schön sein würden. Kein Wunder, dass alle immer so ins Schwärmen geraten, wenn sie von ihnen erzählen.

Heute wollen wir nun den Hochuferweg bis zum Königsstuhl entlangwandern. „Und Du bist sicher, dass Du die sieben Kilometer schaffst?“ In Sarahs Stimme schwingen mittelgroße Zweifel mit. „Na klar. Mach Dir mal keine Sorgen. Wozu bin ich außerdem sonst schon halb 8 aufgestanden?!“ Als wir kurz vor 9 den Eingang zum Nationalpark passieren, fühle ich mich mit meinen Trekking-Schuhen und dem prall gefüllten Rucksack wie ein routinierter Wanderer. Das Schöne ist, mein Gepäck wird stündlich leichter werden, denn der größte Teil des Inhalts besteht aus Proviant: Wasser, Saft, Brote, Äpfel und ein paar Nüsse. Sarah hat nur halb so viel mit, aber bevor ich verhungere oder noch schlimmer – verdurste, trage ich lieber ein bisschen mehr.

Bei strahlendem Sonnenschein laufen wir los, und als der Weg auf die Küste trifft, bleiben wir beide mit offenem Mund stehen: Über dem Wasser liegt Seenebel und die Kreideküste sieht aus wie im Märchen! „Das wäre die perfekte Szenerie für Caspar David Friedrich.“ - „Warte, ich lauf schnell in die Stadt und hol Pinsel und Farben.“ Ich tue so, als renne ich los und wir beide brechen in Lachen aus. Ich würde jetzt wirklich gern malen können, aber zum Glück habe ich ja meinen Fotoapparat dabei. Hach, was für ein schönes Fleckchen Erde!

Lange sind wir die Einzigen im Wald und genießen die Ruhe um uns in vollen Zügen. Der Weg geht die meiste Zeit an der Küste entlang und ich kann mich gar nicht satt sehen an den Buchen und dem türkisfarbenen Wasser. Am Kieler Bach machen wir einen Abstecher zum Strand, wo ein quer liegender Baumstamm uns einladend ansieht. „Was meinst du, Picknick?“ Sarah nickt und ich stelle meinen Rucksack ab und drehe mich einmal um die eigene Achse. „Mach noch mal!“, ruft Sarah und zieht ihren Fotoapparat aus der Tasche. Ich lache, dreh mich erneut und strahle mit der Sonne um die Wette. Dann lasse ich mich auf den Baumstamm fallen und packe meine Vorräte aus. Wahnsinn, wie warm es schon ist, dabei haben wir gerade mal März. Aber wir sind natürlich auch schon ein gutes Stück gewandert, bergauf und bergab, und dabei ein wenig ins die Schwitzen gekommen. Wobei die Wege soo steil natürlich auch wieder nicht sind.

Am frühen Nachmittag erreichen wir die Viktoriasicht, eine kleine Plattform fast hundert Meter über dem Meer. „Von hier hat man den besten Blick auf den Königsstuhl“, höre ich Sarah sagen. „Guck, da ist er!“ Ich folge ihrem ausgestreckten Arm und lasse meinen Blick zu dem berühmten Kreidefelsen wandern, der seit jeher die Romantiker fasziniert. „Können wir da auch rauf?“ - „Ja“, entgegnet Sarah. „Direkt auf dem Königsstuhl ist ein Besucher-Plateau. Und gleich daneben ist das Nationalpark-Zentrum, da können wir was Warmes essen und in die Erlebnis-Ausstellung gehen.“ - „Wie, Ausstellung? Ich hab keine Lust auf ein Museum.“ - „Vertrau mir! Ich war schon dreimal da drin und jedes Mal bin ich wieder fasziniert.“
Ich bin noch nicht hundertprozentig überzeugt. „Und Du bist sicher, dass es mir gefällt?“ - „Glaub mir, Katarina. Das ist kein Museum, wie Du es Dir vorstellst. Und wenn’s Dir wirklich nicht gefällt, lad ich Dich danach auf ein Eis ein.“ - „Abgemacht. Und wenn’s mir gefällt, zahl ich das Eis.“ Sarah schlägt ein und zwei Stunden später stehen wir am Eingang zur Ausstellung und dürfen uns für ein Motto entscheiden. Sarah, die Expertin, klärt mich auf: „Es gibt drei verschiedene Touren: Romantik, Neugier und Abenteuer.“ – „Welche nimmst Du?“ – „Abenteuer. Die anderen kenne ich schon.“ – „Gut, dann möchte ich bitte die Romantik-Tour. Wenn schon, denn schon.“

Zwei Stimmen, die mir seltsam vertraut vorkommen, begrüßen mich und führen mich in der nächsten Stunde durch die Ausstellung. Sarah hatte Recht. Das ist kein normales Museum zum nur Angucken und mit ellenlangen Texten zum Lesen. Nein, hier kann ich alles anfassen und ausprobieren und werde über Kopfhörer mit allerlei Wissenswertem über die Kreideküste und ihre Entstehung berieselt. Die Musik tut ihr Übriges und so vergesse ich doch tatsächlich die Gegenwart und lasse mich gefühlsmäßig auf die Zeitreise ein. Vor einem nachgebauten Mäusebau bleibe ich ewig stehen und sehe den kleinen Tierchen dabei zu, wie sie durch die Gänge flitzen. Bestimmt auch schön, so ein Mäuseleben, denke ich. Au weia, die Romantik hat mich voll im Griff.

Als ich die Ausstellung verlasse, wartet Sarah schon auf mich. „Na, wie war’s?“ Mit entrücktem Gesichtsausdruck grinse ich sie an: „Du hattest Recht. Die Ausstellung ist toll. Danke!“ – „Na gern doch! Hast Du die Stimmen erkannt?“ Ich schüttle den Kopf und erfahre nun endlich, wer mir meine Zeitreise versüßt hat: „Bei Deiner Tour waren das Brad Pitt und Julia Roberts.“ - „Wow! Also war ich grad mit Brad Pitt auf Zeitreise... Cool! Warum hast Du das nicht gleich gesagt?“ Wir lachen und ich hole uns beiden ein Eis. Diese Belohnung hat sich Sarah wirklich mehr als verdient.

Zufrieden verlassen wir das Besucher-Zentrum und gehen ein letztes Mal runter zum Steinstrand – Hühnergötter sammeln. Sarah findet viel mehr als ich, aber ich gucke auch die meiste Zeit nur aufs Wasser und inhaliere die Weite des Meeres. So sehr ich Leipzig liebe, die Ostsee ist einfach noch mal was anderes. Und ich verspreche mir: Egal, was kommt, im nächsten Jahr fahre ich wieder nach Rügen! Und zu den Kreidefelsen!

Besucher-Zentrum

Öffnungszeiten

Ostern bis 31.10. | 9 - 19 Uhr
1.11. bis Ostern | 10 - 17 Uhr

Eintritt

Kinder 6-14 J. | 4,00 €
Erwachsene | 8,50 €
Familien 2 Erw. + Kinder | 17,00 €

Info und Reservierung

Nationalpark-Zentrum Königsstuhl
Sassnitz auf Rügen
  +49 38392 6617 66
  info@koenigsstuhl.com


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