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Kontakt

Amt für das Biosphärenreservat Südost-Rügen

Blieschow 7a
18586 Lancken-Granitz
Tel.: 038303 / 885 0
Fax: 038303 / 885 88
Email Schreiben post(at)suedostruegen.de

 

Biosphärenreservat Südost-Rügen

Blockstrand am Ufer der Granitz
Blockstrand am Ufer der Granitz

Lebensräume

Gewässer

Im Biosphärenreservat Südost-Rügen nimmt der Lebensraum Flachwasser mit Seegraswiesen auf den sandigen Flächen und Tangwäldern auf Steingründen sowie Schlicken im Ruhigwasser geschützter Buchten mit über 50% Wasserfläche den größten Flächenanteil ein. Daneben haben verschieden ausgeprägte Küstenbiotope, bei einer Gesamtlänge von 101,5 km Küste (57,8 km Flachküste, 43,7 km Steilküste) eine herausragende Bedeutung. Die Küsten des Biosphärenreservates werden auch aktuell von Abtragung, Materialtransport und Ablagerung bestimmt. An steil aufragenden Ge­schiebemergelkliffs entstehen Brandungskehlen, die überhängenden Sedimentpa­kete rutschen mitsamt der darauf wachsenden Vegetation ab und werden bei Hoch­wasser aufgearbeitet. Zurück bleiben Blockstrände mit riesigen Findlingen und gro­bem Strandgeröll. Oberhalb der Steilufer werden Kliffranddünen abgelagert.
Küstenlängsströmungen der Ostsee transportieren feinen Seesand in den Anlandungsbereich der Flachküsten und lagern ihn dort ab, in der Folge entstehen Haken und Nehrungen.
Die seeseitigen Flachküsten sind Sandstrände, denen landwärts waldbestandene Dünen oder Niedermoore folgen. Auch die boddenseitige Küste besteht teils aus Steilufern und teils aus Flachküsten. An den Flachküstenabschnitten kommen vielfach Schilfröhrichte vor, in einzelnen Bereichen sind Salzweiden ausgebildet.

Wälder

Ca. 25% der Landfläche des Biosphärenreservates ist von Wäldern der unterschiedlichsten Ausprägung bedeckt. Auf den pleistozänen Inselkernen, insbesondere im Bereich der Granitz sind Buchenwälder verschiedener Ausprägung ausgebildet. Daneben finden sich Reste der einstigen gehölzreichen Bauernwälder, die einen erhöhten Anteil an Wildobst-Arten aufweisen und in der Vergangenheit als Niederwald bewirtschaftet wurden.
Auf den holozänen Meeressandebenen und Dünen herrscht die Kiefer vor. Die Bodenvegetation besteht aus Heidekraut, Strauchflechten und Silbergras.

Moore, Armmoore und Verlandungsgürtel

Moore nehmen ca. 15% der Landfläche des Biosphärenreservates ein. Die meisten für Nordostdeutschland beschriebenen hydrologisch-entwicklungsgeschichtlichen Moortypen sind vertreten. In Abhängigkeit von Trophie und Bodenwasserverhältnissen treten auf diesen Mooren Vegetationsformen der oligotrophen Armmoore, mesotrophen Zwischenmoore und eutrophen Reichmoore auf. Kleine Kesselmoore kennzeichnen das pleistozäne Hochland der Granitz, Quell- und Durchströmungsmoore treten vor allem an den Flanken der Inselkerne Mönchguts auf. An den Rändern der Bodden und Seen konnten sich Küstenüberflutungs- und Verlandungsmoore ausbilden, teilweise finden sich Versumpfungsmoore in den Riegen der holozänen Strandwallfächer.
Die Durchströmungs- und Küstenüberflutungsmoore sind von Natur aus waldfreie Lebensräume. Die torfbildenden Vegetationsformen dieser Niedermoore sind infolge der nahezu flächendeckenden Meliorationen und Eindeichungen jedoch fast vollständig verschwunden. Auch nutzungsbedingte Großseggenriede, Pfeifengraswiesen, Borstgrasrasen und Salzbinsenrasen sind nur noch in kleinen Resten vorhanden.

Wiesen, Weiden und Feuchtgrünlander

Mehrheitlich tragen die entwässerten Moore heute eine Sekundärvegetation. Extensivierungsprozesse haben in jüngerer Vergangenheit zur Ausbildung artenreicher Wiesen und Mähweiden, extensiven Feucht- und Nassgrünlandes, von Salzwiesen aber auch degradierten Saatgraslandes und Flutrasen geführt.

Mager- und Halbtrockenrasen und Heiden

Natürlich entstandene Mager- und Trockenrasen sind an Küsten, auf Dünen oder jungen Nehrungen ausgebildet. Die Mehrzahl der derzeit im Biosphärenreservat vorhandenen Heiden, Trocken- und Magerrasen ist jedoch sekundär entstanden. Zur Erhaltung dieser wertvollen Vegetationsformen bedarf es einer ständigen, extensiven Bewirtschaftung durch den Menschen. Insbesondere in der ausgeprägten Moränenlandschaft des Mönchgutes finden sich aufgrund der nährstoffarmen, wasserdurchlässigen Standorte Trockenbiotope in mannigfaltiger und artenreicher Ausprägung, wie z.B. der Kalk-Halbtrockenrasen.

Äcker und nährstoffreiche Ackerbrachen

Außerhalb der Kern- und Pflegezone nehmen intensiv genutzte Äcker und nährstoffreiche Ackerbrachen große Flächenanteile ein. Innerhalb dieser oft großen Ackerschläge treten Ackersölle auf, die vielfach vernässt sind und eine typische Feuchtevegetation aufweisen. Die in der ostrügenschen Moränenlandschaft zahlreich vorkommenden Moränenkup­pen wurden in der Vergangenheit überwiegend beackert. Die Erträge auf diesen nährstoffarmen und sandigen Böden waren jedoch so gering, dass die Standorte aus der Ackernutzung entlassen wurden. Je nach der Dauer der Auflassung haben sich auf diesen Kuppen inzwischen überwiegend als Bauernwälder genutzte Zwischenwälder entwickelt. Teilweise tragen die Standorte Sukzessionsstadien von typischen Pionierfluren bis hin zu nutzungsbedingten Vor- und Zwischenwäldern. Häufig handelt es sich um strukturreiche „Magerrasen-Gehölz-Komplexe”.

Tiere

Über die Tierwelt Südost-Rügens ist im Vergleich zur Pflanzenwelt weniger bekannt. Einzelarbeiten weisen aber auf verschiedene Rote-Liste-Arten hin, insbesondere aus der Klasse der Insekten. Besonders die Trockenrasen Südost-Rügens sind Lebensraum für eine Reihe wärmeliebender Insektenarten, wie z.B. Pelz-, Furchen- und Kegelbiene, Gold- und Faltenwespe.
Von Bedeutung sind die breiten Schilfgürtel an den Boddengewässern, die hervorragende Brutreviere für Wasservögel darstellen. Südost-Rügen hat große Bedeutung als Rast- und Brutrevier für Zugvögel. Hauptsächlich sind es verschiedene Gänsearten (Grau-, Saat- und Bläßgans), die im Herbst zu Tausenden in den Buchten rund um die Insel Vilm übernachten und zur Nahrungsaufnahme auf die Äcker kommen.
Von enormer Bedeutung sind die Seegras-, Rot- und Grünalgenbestände in den küstennahen Bereichen des Greifswalder Boddens. Sie sind das größte Laichgebiet der Ostseeheringe. Alljährlich zieht der „Rügensche Frühjahrshering” in großen Schwärmen aus allen Teilen der Ostsee und aus angrenzenden Bereichen der Nordsee zum Laichen in den Greifswalder Bodden.

Pflanzen

Das Biosphärenreservat zeichnet sich durch eine vielfältige Vegetation aus. Die Granitz ist das größte zusammenhängende Waldgebiet des Biosphärenreservates. Bis in das frühe Mittelalter hinein dominierte hier noch ein Ulmen-Linden-Eichenmischwald. Dann gelangte die Buche zur Vorherrschaft. Die Steilhangbuchenwälder der Außenküste gehören zu den artenreichsten Waldgesellschaften des Norddeutschen Tieflandes. In den luftfeuchten Uferschluchten gedeihen Berg-Ahorn und Wald-Schwingel. An den wenigen Stellen, wo die steilen Kliffs inaktiv sind, bilden Alpen-Johannisbeere, Heckenkirsche, Hartriegel und Sal-Weide die Strauchschicht. In der Krautschicht wachsen Leberblümchen, Buschwindröschen, Schlüsselblume, Maiglöckchen, Frühlings-Platterbse und Waldmeister.

Neben Wäldern prägen Weiderasen das Bild der Landschaft. Neben weiteren bemerkenswerten Trockenrasen stellt das Zickersche Höftland die großartigste Hutelandschaft des gesamten Küstenraumes dar. Niederschlagsarmut, Nährstoffmangel und die Beweidung durch Schafe ließen Vegetationsformen von einzigartiger Vielfalt entstehen. Charakteristische Pflanzen sind eine Reihe wärmeliebender Arten, wie beispielsweise Dost, Weiße Schwalbenwurz oder Großer Ehrenpreis.
Die boddenseitigen Salzwiesen werden im Unterschied zu den Salzwiesen des Wattenmeeres höchsten 4 bis 5 mal pro Jahr überflutet, wenn Stürme vorübergehend starke Schwankungen des Ostseespiegels verursachen. Die Salzwiesen sind Lebensraum für salztolerante Pflanzenarten, wie beispielsweise Strand-Grasnelke, Salzaster, Meerstrand-Dreizack und Queller. Daneben findet man Milchkraut, Strand-Wegerich und Meersenf. Leider haben sie infolge Eindeichung zum großen Teil ihren durch Überflutung mit Salzwasser entstandenen Charakter verloren.

Landschaftsbestimmend ist auch die Strand- und Dünenvegetation, die fast nur noch hier ihre ursprüngliche Artenvielfalt aufweist. Moore sind auf Südost-Rügen weniger verbreitet. Zwischen den bewaldeten Hügeln der Granitz liegt die „Große Wiese”. Sie ist ein Kesselmoor mit 9 m mächtigen Torfablagerungen und torfbildender Pflanzendecke. Torfmoose und Schmalblättriges Wollgras dominieren auf der Oberfläche. Daneben kommen Sonnentau, Moosbeere, Scheidiges Wollgras und Sumpfporst vor.
Auf Südost-Rügen haben sich eine Reihe bedrohter und im Bestand gefährdeter Arten erhalten, die anderswo in Deutschland bereits verschwunden sind, wie z.B. Hain-Wachtelweizen, Geflecktes Ferkelkraut, Sumpf-Blutauge, Wiesen-Schlüsselblume, Körnchen-Steinbrech und andere.