Der Dachs auf Brautschau im Nationalpark Jasmund
Bei einer Begegnung mit einem Dachs fällt als erstes sein schwarzweiß gestreiftes, keilförmig zugespitztes Gesicht auf. Tagsüber ist er eher selten anzutreffen, denn als "Nachtbummler" verlässt der Dachs seinen unterirdischen, selbst gegrabenen Bau kaum vor Eintreten der Dunkelheit.
Dann macht er sich auf die Nahrungssuche, wobei er beim Umherstreifen Strecken bis zu 11 km zurücklegt. Er ist ein Allesfresser, der sich von Jungvögeln, Mäusen, Würmern, Schnecken und Käfern bis hin zu Beeren, Samen, Wurzeln, Pilzen und Honig ernährt. Die Pflanzenkost macht hierbei etwa drei Viertel seines Speiseplans aus.
In sehr kalten und schneereichen Wintern zieht sich der Dachs zur Winterruhe in seinen Bau zuru?ck, den er mehrere Wochen nicht verlässt. Während dieser Zeit zehrt er von seinen im Herbst angelegten Fettreserven.
Der Dachs lebt gesellig in Familiensippen und ist einer der besten Baumeister unserer Natur. Mit seinen bis zu 22mm langen Krallen an den Vorderfüßen ist er zum Graben bestens ausgerüstet. Zudem kann er die Nasenlöcher verschließen und auf diese Weise mühelos mit der Schnauze die Erde aus dem Gang stoßen.
Ganze Generationen sind am gleichen Bau beteiligt, der sich auf diese Weise zu einer regelrechten "Dachs-Burg" mit bis zu 30m Durchmesser ausdehnen kann. In etwa 5m Tiefe liegt der Wohnkessel, der über zahlreiche Gänge mit der Oberfläche verbunden ist. Diese Gänge dienen der Luftzufuhr und als Ein- und Ausgänge. Im Gegensatz zum Fuchs polstert der Dachs den Kessel seines Baus mit trockenem Laub, Moos oder Farnkraut aus.
Während der lauen Hochsommerabende sind unsere Dachse fleißig mit der Familiengründung beschäftigt. In der Jägersprache nennt man diese aufregende Periode Roll- oder Ranzzeit. In dieser Zeit können ahnungslose Spaziergänger mit markerschütternden Ranzschreien konfrontiert werden. Nach der Winterruhe (Februar bis März) kommen ein bis sechs Dachs-Junge zur Welt. Im Schutz des Baus werden die noch komplett weiß behaarten und blinden Kleinen zwei Monate lang gesäugt.
Es wird Juni im Nationalpark Jasmund , bis man zum ersten Mal die Jungdächse auf dem Bau in der Sonne spielen sehen kann.