Nachricht des Tages: Eindrücke aus dem Alltag einer FÖJ´lerin
Neue Kollegin am Königsstuhl
So lauten die einleitenden Sätze einer Pressemittelung am 07.09. diesen Jahres. Ich, Anna Funk, fand meinen Weg vom Erzgebirge zur Kreideküste Rügens für ein FÖJ. Nachdem ich mein Abitur absolviert und 13 Jahre Schule wohlbehalten überstanden hatte, wollte ich ein Jahr Auszeit nehmen. Da ich ein Studium auf dem Gebiet der Zoologie anstrebe, dachte ich, ein FÖJ wäre die beste Gelegenheit, einmal aus dem Schulalltag heraus zu kommen und praktische Erfahrungen sammeln zu können. Also habe ich mich auf virtuelle Suche begeben und über verschiedenste Einsatzstellen erkundigt. Vom Bio-Bauernhof über die Imkerei zum Nationalpark – es war alles dabei. Danach hieß es natürlich fleißig Bewerbungen schreiben und Daumen drücken. Und dann war es so weit: „Wir möchten Sie gern zu einem Bewerbungsgespräch bei uns einladen.“ Ich kannte den Nationalpark Jasmund nur aus dem Internet und war überwältigt von seiner Schönheit. Nach dem Bewerbungsgespräch stand ich auf dem Königsstuhl und dachte: Hier will ich hin! Und es sollte so sein, am 06. September war mein erster Arbeitstag. Ich war natürlich nervös und aufgeregt; doch ist das Arbeitsumfeld hier so angenehm, dass ich mich schon am ersten Tag willkommen gefühlt habe. Freundliche Kollegen und ein super Team – das macht das Nationalpark-Zentrum Königsstuhl aus.
Doch was sind meine Aufgaben im FÖJ?
„Als anerkannte Einsatzstelle für das FÖJ bietet das Nationalpark-Zentrum KÖNIGSSTUHL auch dieses Jahr einen spannenden Arbeitsplatz mitten im Wald. Hier an Deutschlands berühmtestem Kreidefelsen lernt die 19-Jährige Anna Funk aus dem Erzgebirge den serviceorientierten Umgang mit Besuchern. Außerdem erhält sie Einblick in den aktiven Naturschutz und die Idee des Nationalparks. Anna unterstützt ihre Kollegen vor allem tatkräftig im Bereich der Umweltbildung, d.h. im Forscherzelt, auf Kurzführungen und Wanderungen sowie bei den Schulklassenprogrammen. Neben dem direkten Kontakt zum Gast stehen auch Bürotätigkeiten und Seminare auf ihrem Arbeitsprogramm.“
Mit der Ausnahme, dass ich mittlerweile 20 bin, trifft der Auszug aus der Pressemitteilung ziemlich genau den Nagel auf den Kopf. Als FÖJlerin bin ich dem Bereich Umweltbildung zugeteilt und wie der Name schon vermuten lässt, steckt dort viel Wissen und Information dahinter. Ein bisschen Bauchkribbeln hatte ich schon, wenn ich daran dachte, Kurzführungen, Wanderungen oder sogar ganze Schulklassenprogramme umzusetzen. Ich dachte mir nur, wie sollst du das alles nur lernen und vor so vielen Menschen reden. Aber wie man das ja kennt: es war halb so schlimm, wie es sich anhörte, zum Beispiel die Kurzführungen:
Eines der vielen Angebote des Nationalpark-Zentrums Königsstuhl sind Kurzführungen zum Königsstuhl unter dem Motto: „Kreide, Meer und Königsstuhl“ und dauern ungefähr 25 Minuten. Ein Mitarbeiter der Umweltbildung unternimmt eine kleine Wanderung mit dem Gästen und erzählt ihnen etwas zur Geschichte unseres Hauses, stellt ihnen den Nationalpark vor, erläutert wie Kreide entsteht und erklärt, wie der Königsstuhl zu seinem Namen kam. Dies erfordert eine Menge Hintergrundwissen und selbstbewusstes Auftreten vor den Besuchern. Beides hatte ich am Anfang entweder gar nicht oder nur zu geringen Teilen, also hiess es wieder: Nase ins Buch stecken und fleissig lernen. Aber wie sollte ich meine Angst überwinden, vor einer großen Menge Menschen zu sprechen? Durch schrittweise Gewöhnung. Und wo geht dies wohl besser als im Forscherzelt?
Das Forscherzelt ist ein zusätzliches Angebot welches auf dem Außengelände zu finden ist. Es bietet Jung und Alt die Gelegenheit dem Forschergeist freien Lauf zu lassen. Verschiedene Fossilien, Schädel, Felle, Wasserproben und vieles mehr können entdeckt, ausprobiert und hautnah bestaunt werden. Mitarbeiter der Umweltbildung stehen den „Forschern“ tatkräftig zur Seite und informieren über die Exponate und den Nationalpark. Da die Chance sehr hoch ist, dass die interessantesten Fragen aufkommen, muss man für alles gewappnet sein und sich in seinem Stoff sehr sicher fühlen.
Schon am zweiten Tag war ich dann im Forscherzelt und stellte erst einmal mein eignes Wissen auf die Probe. Es ist schon erstaunlich, wie viel man über die Dinge, die uns umgeben weiss und wie viel eben nicht. Je mehr ich jedoch lernte, desto sicherer wurde ich in meinem Auftreten und in dem, was ich zu erzählen hatte; bis ich dann sogar selbstständig auf die Besucher zuging und Spaß dabei hatte. Das Forscherzelt hilft einem sehr, seinen Umgang mit Menschen zu festigen und sich daran zu gewöhnen, einer gewissen Anzahl von Leuten Wissen zu übermitteln, also eine optimale Vorbereitung für die Kurzführung.
Dann war es soweit: meine erste Führung. Ich war furchtbar aufgeregt und sehr nervös. Es kostete mich sehr viel Überwindung vor die Gruppe zu treten. Aber hierfür gab es keinen Grund. Meinen Text für die Kurzführung hatte ich mir bereits die Wochen vorher erarbeitet und auch einiges an Hintergrundinformationen gesammelt. Auch das Sprechen vor der Gruppe hatte ich im Forscherzelt sehr oft üben können. Ich war also bestens vorbereitet. Doch dann kam das Lampenfieber und ich dachte, dass ich alle vergessen hätte. Und plötzlich stand ich da, vor einer Gruppe von ungefähr zehn Mann und erzählte einfach los. Ein paar Versprecher, aber ansonsten lief alles wie am Schnürchen. Das Gefühl nach der Führung war unbeschreiblich und fühlte sich richtig gut. Heute sitzt mein Text und ich bin in der Lage, individuell auf die Gruppen einzugehen.
Fortsetzung folgt …