Das bin ich!
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“Das bin ich”
Herzlich willkommen unter meinen Blättern. Herzlich willkommen im Weltnaturerbe …
und ja – mein Zuhause hat einen langen Namen: „Alte Buchenwälder und Buchenurwälder der Karpaten und anderer Regionen Europas“.
Ich bin die älteste Rotbuche hier im Nationalpark Jasmund. Seit fast dreihundert Jahren stehe ich am weißen Kreidekliff – dort, wo der Wald endet und der Himmel die Ostsee berührt. Der Wind hat mich geformt und gefordert: Die Wellen singen mir die schönsten Melodien und unter mir zeugt die Kreide von einem uralten Meer.
Als ich noch jung war, stand ich sicher und fest – mit genügend Abstand zum Abgrund. Doch die Kreideküste ist dynamisch. Sie bröckelt, rutscht, weicht Jahr für Jahr zurück. Meine Mutter und einige meiner Geschwister sind längst hinuntergestürzt. Heute stehe ich selbst am Rand. Aber meine starken Wurzeln halten mich fest.Wenn ihr zu mir aufschaut, begegnet ihr nicht nur einem Baum. Ihr begegnet lebendiger Zeit.
Manche nennen mich die Königin Europas. Nicht wegen meiner Größe – sondern weil mein Volk, die Rotbuchen, einst weite Teile dieses Kontinents eroberte. Buchecker für Buchecker. Jahr für Jahr. Geduldig. Beharrlich. Und wenn ihr mich besuchen möchtet, habe ich einen kleinen Entdecker-Tipp für euch: Ihr findet mich auf dem Hochuferweg. Ich stehe links neben der Aussichtsplattform mit dem hölzernen Königsstuhl, ganz in der Nähe der Victoria-Sicht – nur etwa fünf Gehminuten vom Nationalpark-Zentrum KÖNIGSSTUHL entfernt.
Jetzt tretet aber herein in unser Weltnaturerbe. Ich möchte euch erzählen, was ich gesehen habe. Und warum wir Buchen heute eure Aufmerksamkeit und euren Schutz brauchen.
Wie alles begann
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Wie alles begann - Unsere Reise durch Europa
Die Geschichte meiner Familie reicht weit zurück – viel weiter, als meine Jahresringe zählen können. Vor rund 12.000 Jahren, als die mächtigen Gletscher der letzten Eiszeit schmolzen und sich Europa langsam wieder erwärmte, wagte mein Volk den Schritt nach Norden. Damals waren wir Buchen nur eine zaghaft grüne Keimzelle in den warmen Rückzugsgebieten Süd- und Südosteuropas.
Doch mit jedem Jahrhundert, mit jedem wärmer werdenden Sommer und milderen Winter wuchsen wir weiter. Wir breiteten uns über Hügel und Täler aus, über Flussauen und Hochebenen, folgten dem Licht, dem Regen – und dem freien Boden, den das Eis hinterlassen hatte. So eroberten wir fast ganz Europa.
Noch heute wächst meine Familie weiter – in Skandinavien, auf den Britischen Inseln, in Osteuropa. Unsere Reise geht weiter. Heute verbindet uns ein gewaltiger Stammbaum: von den alten Wäldern der Karpaten über die Mittelgebirge Deutschlands bis zu den Küstenwäldern hier auf Jasmund. Uns Rotbuchen gibt es nur hier – nur in Europa, nirgendwo sonst auf der Welt.
Ohne euch Menschen würden wir Buchenwälder heute etwa neun Prozent der Landfläche Europas bedecken.Doch von uns Alten, sind in Deutschland weniger als ein Prozent als ungenutzte Wälder übriggeblieben. Ich bin nur eine von Millionen. Doch gemeinsam erzählen wir die Geschichte Europas – eine Geschichte von Geduld, Anpassung und unermüdlicher Schaffenskraft.
Raum für mich. Zukunft für euch.
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„Raum für mich. Zukunft für euch.“
Wir Wälder messen Zeit anders als ihr. Nicht in Kalenderjahren. Sondern in Jahresringen, im Werden und Vergehen.
Und doch gab es einen Moment, der auch in unserer langen Geschichte spürbar war. Vor fünfzehn Jahren habt ihr uns alten, ungenutzten Wäldern in Deutschland etwas geschenkt, das unbezahlbar ist: Anerkennung und Aufmerksamkeit. Fünfzehn Jahre – das ist für euch Menschen eine lange Zeit. Für uns Wälder ist es kaum mehr als ein tiefer Atemzug. Und trotzdem hat diese Zeit einiges verändert.
Möglich wurde das durch Menschen, die sich für uns eingesetzt haben – wie mein alter Freund und Biologe Prof. Dr. Hans Dieter Knapp, ein echtes Inselkind und ein Naturversteher. Mit der Auszeichnung als Welterbe erhielt das internationale Leitprinzip der Nationalparks noch mehr Kraft: „Natur Natur sein lassen“.
Schaut uns an. Wir sind heute noch wilder. Vielfältiger. Und lebendiger. Vielleicht ist euch schon aufgefallen: Hier in meinem Wald wird nicht aufgeräumt. Stirbt ein Mitglied meiner Familie, bleibt es im Schatten unserer Kronen liegen und darf langsam zerfallen. Ihr nennt das Totholz. Doch eigentlich steckt voller Leben darin. Denn im morschen Holz, in hohlen Stämmen und unter loser Rinde entsteht eine verborgene Welt. Pilze, Moose, Käfer, Vögel und Fledermäuse finden durch uns Nahrung, ein Zuhause und Schutz.
Doch Schutz heißt nicht Stillstand. Im Gegenteil. Durch die Erweiterungen des Weltnaturerbes ist die geschützte Waldheimat in Europa gewachsen.
Ihr beobachtet wie viel Totholz im Wald liegt, wie sich der Wald verändert, und welche besonderen Arten hier leben. Ihr achtet darauf, wie viele Menschen uns besuchen, wie sie sich im Wald bewegen und wie ihr Menschen respektvoll mit uns umgehen könnt. Ihr tauscht euch aus. In Arbeitsgruppen, zwischen den deutschen Welterbe-Gebieten und weit darüber hinaus – mit unseren Schwestern in ganz Europa. Ihr lernt voneinander. Teilt Wissen aus Forschung und Bildung. Plant gemeinsame Projekte. Und tragt die Ergebnisse weiter – über Grenzen hinweg. Und ihr tragt dazu bei, dass das Bewusstsein für den Wert unberührter Wälder für das Klima, für die Artenvielfalt, für eure Erholung, und für unsere gemeinsame Zukunft wachsen konnte.
Jasmund
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Mein Zuhause im Nationalpark Jasmund
Ganz so bekannt wie unsere Majestät, der 118 Meter hohe Königsstuhl, bin ich noch nicht – auch wenn ich schon seit dreihundert Jahren tief in der Kreide verwurzelt bin.
Ihr nennt mich liebevoll „den wilden Wald am Meer“. Oder alte Dame. Erst letztens hat mich jemand Königin genannt. Das schmeichelt mir – und irgendwie passt es auch. Die alte Buchenkönigin steht vis à vis zur Majestät, dem mächtigen Königsstuhl.
Wir Buchen brauchten lange, um hierher zu gelangen. Erst vor etwa achthundert Jahren kamen meine Urgroßmütter auf Jasmund an. Was sie vorfanden, war eine Landschaft, geformt von gewaltigen Gletschern. Gerade das Zusammenspiel aus feuchtem Klima, Boden und Relief hat hier besondere Lebensräume entstehen lassen. Mehr als hundert Moore, zahlreiche Bäche und Quellen sind mosaikartig in meinen Wald eingebettet.
Heute ist dieser besondere Flecken Erde als kleinster Nationalpark Deutschlands bekannt. Gerade einmal 3.070 Hektar umfasst er. Klein – und doch beeindruckend. Denn hier wird das größte zusammenhängende Buchenwaldgebiet an der Ostseeküste geschützt. 493 Hektar davon gehören zum Weltnaturerbe. Das sind etwa 16% der Nationalparkfläche. Unter meinem Blätterdach wachsen seltene Pflanzen: Orchideen wie der Frauenschuh, der kalkliebende Zwiebel-Zahnwurz und Gräser wie die Waldgerste. In den von Buchen gesäumten Kreidefelsen finden Mehlschwalbe und Wanderfalke außergewöhnliche, natürliche Nistplätze. Im Sommer beobachtet ihr Menschen meine Baumkronen besonders aufmerksam. Ihr wollt nicht meine unzähligen Blätter zählen, sondern hofft, den Zwergschnäpper zu entdecken. Der kleine Vogel liebt alte Buchenwälder, ist selten geworden und streng geschützt.
Und nur hier, in unserem wilden Wald am Meer, lebt die Kreideeule. Ihr habt vielleicht einen kleinen weißen Kauz vor Augen? Nein. Es ist ein wunderbar unauffälliger Nachtfalter mit kreideweißen Flügeln – und den gibt es nur hier auf Jasmund. Ich könnte mir keine schönere Heimat wünschen.
Serrahn
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Meine Welterbe Schwestern im Serrahn
Tief im Landesinneren, im Herzen der Mecklenburgischen Seenplatte, leben meine Schwestern. Im Serrahn – einem stillen Teil des Müritz-Nationalparks. Dort ist die Kiefer die häufigste Baumart. Wir Rotbuchen dagegen kamen erst viel später. Vor etwa siebentausend Jahren haben wir hier Wurzeln geschlagen und von da an begonnen, die Wälder langsam zu verändern. Geduldig. Generation für Generation.
Seit 1971 steht der Serrahn unter Schutz. Seit über einem halben Jahrhundert nun dürfen meine Schwestern einfach wachsen. Ohne Axt, ohne Säge, ohne Eile. Der Wald blieb ungenutzt und wurde so zum Urwald von morgen. Die Welterbefläche im Serrahn ist gerade einmal 268 Hektar groß und macht weniger als 1 Prozent der Nationalpark-Fläche aus.
Wie ich, gehören meine Schwestern zu den Tiefland-Buchenwäldern. Auch ihr Boden erzählt von der letzten Eiszeit: Sande, Lehme und viele Steine, zurückgelassen von schmelzendem Eis. Hier fühlen sich auch der wohlriechende Waldmeister und Hainsimsen wohl. Das sind zarte, grasähnliche Pflanzen, die mit wenig auskommen.Hier wachsen Buchen, wie ihr sie kaum noch kennt. Alt, knorrig, mit weit ausladenden Kronen, gern in Gesellschaft mit Traubeneichen.
Meine Serrahner Familie hat außergewöhnliche Mitbewohner. Im Müritz Nationalpark kommen zeitweise bis zu 15 Fledermausarten vor, wie zum Beispiel die Mopsfledermaus, Rauhaut- oder Zwergfledermaus und 150 seltene Pilzarten mit märchenhaften Namen wie dem Igel-Stachelbart. Und erhabene Vögel wie See- und Fischadler ziehen ihre Kreise über die weiten Seen.
Wenn ihr meine Schwestern im Serrahn erleben möchtet, dann empfehle ich euch eine Wanderung entlang des Wald-Erlebnispfads zwischen Zinow und Serrahn.
Grumsin
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Meine Welterbe Schwestern im Grumsin
Habt ihr schon einmal vom Grumsin gehört? Der Name klingt ein wenig außergewöhnlich, findet ihr nicht?
Hier leben meine alten Schwestern, mitten im Herzen des UNESCO-Biosphärenreservats Schorfheide-Chorin, nördlich von Berlin. Mit ihren 590 Hektar bilden sie ein bedeutendes Puzzleteil für unser gemeinsames Welterbe. Tiefe Senken mit Mooren und Kleingewässern liegen dort dicht beieinander. Dazwischen ragen markante Höhenzüge auf – über hundertzwanzig Meter hoch, auf denen ein Teil meiner Familie thront. Unter den Grumsiner Buchen wachsen zarte Begleiter: Perlgras mit seinen sanft nickenden Blütenrispen und Kräuter wie der wohlriechende Waldmeister.
Seit über dreißig Jahren lasst ihr diesen Wald nun schon in Ruhe. Seitdem dürfen meine Schwestern alt werden und ihre Körper vergehen.In diesem alten Holz leben selten gewordene Käfer wie der Eremit und der Zangenbock. In den naturnahen Kleingewässern und Mooren finden Schellente und Kranich Ruhe und Rückzugsorte. Und im Frühling erklingt das leise Glucksen der Moorfrösche.
Der Grumsin ist das größte und besterhaltene Beispiel für den mitteleuropäischen Tiefland-Buchenwald.
Hainich
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Meine Welterbe Schwestern im Hainich
Stellt euch vor: Es ist Frühling. Ihr steht unter mächtigen Buchenkronen, mitten in einem Farbenmeer. Weiße Märzenbecher leuchten im Licht, hohler Lerchensporn blüht purpur am Waldboden, und der Duft von Bärlauch strömt in eure Nasen. Dann seid willkommen in Thüringen, im Nationalpark Hainich, – dem größten nutzungsfreien Laubwald Deutschlands. Über 7.500 Hektar Wald.
Das Welterbe-Gebiet umfasst fast 21 Prozent. Ein Herzstück dieses großen Waldes. Und ein Urwald mitten in Deutschland. Lange Zeit war dieser Ort verschlossen. Als einstige Militärfläche blieb er unberührt. Seit über fünfzig Jahren durfte die Natur hier einfach sein.
Meine Buchen-Schwestern stehen hier nicht allein, sondern in bester Gesellschaft. Mehr als fünfundzwanzig Laubbaumarten leben hier nebeneinander. Der Boden unter ihren Wurzeln besteht aus nährstoffreichem Muschelkalk. In diesem großen, stillen Wald leben auch scheue Bewohner. Wildkatze und Luchs finden hier ihre Rückzugsräume. Und wenn ihr genau hinhört, vernehmt ihr das leise Klopfen der Spechte. Sieben Arten leben hier. Besonders bemerkenswert ist der Mittelspecht – ein stiller Spezialist alter Buchenwälder, der nur dort vorkommt, wo der Wald alt werden darf.
Auch 15 Fledermausarten und seltene Holzkäfer gehören zu unserer Waldfamilie. Zum Beispiel der Reitters Strunk-Saftkäfer. Gerade einmal fünf Millimeter groß lebt er verborgen unter morscher Buchenrinde. Lange galt er in Deutschland als ausgestorben. Bis man ihn 1998 hier im Nationalpark Hainich wiederentdeckte. Ein kleiner, bedeutender Botschafter dafür, wie viel Leben zurückkehrt, wenn ihr dem Wald Zeit und Ruhe lasst.
Kellerwald
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Meine Welterbe Schwestern im Kellerwald
So wie ihr Menschen verschieden seid, sind auch wir Buchen nicht alle gleich. Im Nationalpark Kellerwald-Edersee in Hessen begegnet ihr meinen Verwandten in einer besonderen Gestalt. Gedrungen, knorrig und von großer Ausdauer geprägt. Manche von ihnen wachsen hier in Zwergform.
Im 1.467 Hektar großen Welterbegebiet liegen die ältesten Buchenwaldreste Deutschlands gut geschützt. Die Landschaft ist bewegt. Fünfundsiebzig Berge und zahlreiche Täler formen das Mittelgebirge. Von den Kronen meiner höchstgelegenen Schwester wirkt der Wald wie ein wogendes Meer aus Grün. Zwischen betagten Buchen und mächtigen Eichen ziehen sich bemooste Wurzeln über den Boden. Felsvorsprünge treten zutage, und über tausend klare Quellen entspringen hier.
In diesem Wald leben viele, die das Wilde lieben und auf das Alte angewiesen sind. Wildkatzen schleichen lautlos durch das Unterholz. Sechs von zehn mitteleuropäischen Spechtarten finden hier geeignete Lebensräume. Neunzehn der fünfundzwanzig in Deutschland vorkommenden Fledermausarten, wie die seltene Bechsteinfledermaus ziehen nachts ihre Bahnen. Auch Schwarzstorch und Feuersalamander haben hier ihren Platz.
An den steilen, teils schwer zugänglichen Felshängen des Eder-Durchbruchtals verbergen sich urwaldähnliche Waldinseln. Sie konnten nur dort bestehen, wo der Mensch nie eingegriffen hat. Diese Rückzugsorte sind Heimat hoch spezialisierter Insekten – der sogenannten Urwaldreliktarten. Bisher wurden hier sechsunddreißig solcher Käferarten nachgewiesen. Dazu gehören der Veilchenblaue Wurzelhalsschnellkäfer der auf morsches Holz angewiesen ist, der Stellas Pseudoskorpion, der in alten Baumhöhlen lebt, oder der Feuerschmied mit seinem metallisch schimmernden Panzer.
Der Kellerwald ist damit bundesweit ein echter Urwald-Käfer-Hotspot.
Meine Welterben auf Jasmund
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Meine Welterben auf Jasmund
Mitten in unserem alten Wald habt ihr uns Buchen ein Denkmal gesetzt. Nicht aus Stein oder Bronze, sondern aus Schutz, Aufmerksamkeit und Respekt.
Seit 2017 schlägt unser Welterbe-Herz im UNESCO-Welterbeforum tief im Wald verborgen und nur zu Fuß erreichbar. Ein Ort, der nicht laut ruft, sondern leise einlädt. 20.000 Gäste besuchen uns dort jedes Jahr. Hier erzählt ihr unsere Geschichte weiter. In einer Ausstellung, die zeigt, wie alt wir sind, wie weit wir gereist sind und warum wir heute Schutz brauchen. Und dort feiert ihr auch mit uns: bei Waldfesten, bei Begegnungen, im gemeinsamen Staunen. Wir Buchen lächeln jedes Jahr aufs Neue, wenn die kleinen Welterben der Insel Rügen zur Welterbe-Pirsch aufbrechen. Wenn sie unter unseren Blättern Rätsel lösen, unsere geheimen Waldbotschafter entschlüsseln, begreifen und verkünden, dass ein Wald mehr ist als nur viele Bäume.
Gemeinsam mit dem Weltkulturerbe der Altstadt Stralsund steht das Welterbe auf Jasmund für einen sanften, qualitätsvollen Tourismus über die Grenzen der Insel Rügen hinaus. Für ein respektvolles Erkunden von Natur und Kultur.
In Führungen, in Schulklassenangeboten und bei Veranstaltungen gebt ihr Wissen weiter – an große und kleine Welterben. Das ist erklärte Liebe zur Natur. Und diese Liebe zur Natur hat eine lange Vorgeschichte. Schon 1586 begann sie mit der ersten Holzordnung. Ein früher Versuch, den Wald zu bewahren und nachhaltig zu nutzen. 1929 wurde das Naturschutzgebiet Jasmund ausgewiesen, um das Steilufer vor der Zerstörung durch Kreideabbau zu schützen. Am 12. September 1990 wurde der Nationalpark Jasmund gegründet – ein klares Bekenntnis: In diesem Wald gilt der Grundsatz: Natur, Natur sein lassen. Und am 25. Juni 2011 wurden wir Teil des UNESCO-Weltnaturerbes „Alte Buchenwälder und Buchenurwälder der Karpaten und anderer Regionen Europas“ – gemeinsam mit den vier weiteren deutschen Buchenwaldgebieten. Schließlich, am 6. Juni 2017, wurde unser Herz hier sichtbar: Mit der Eröffnung des UNESCO-Welterbeforums durch die damalige Bundeskanzlerin Angela Merkel und Professor Dr. Michael Otto.
All das zeigt: Naturschutz ist kein Moment. Er ist ein Weg. Und er ist die Grundlage für unser Welterbe hier auf Rügen.
Mein Schutz ist eure Aufgabe
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Mein Schutz ist eure Aufgabe
15 Jahre Weltnaturerbe haben gezeigt: haben eines deutlich gemacht: Wir alten Wälder sind unverzichtbar. Wir speichern Kohlenstoff und regulieren das Klima. Wir bewahren eine enorme Vielfalt an Leben. Und wir tun das sofort. Ein neu angelegter Wald braucht Jahrhunderte, um diese Leistungen zu erbringen. Unser Wald braucht Zeit. Raum. Und Vertrauen.
Ihr habt euch Ziele für die Waldentwicklung in Deutschland gesetzt. In der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt. Bis 2030 sollen zwei Prozent der Landesfläche Deutschlands echte Wildnis sein. Und mindestens fünf Prozent der Waldfläche sollen sich natürlich entwickeln dürfen.
Doch noch sind wir nicht am Ziel. Der Druck auf meine Waldfamilie bleibt groß. Der Anteil der Wildnisgebiete liegt derzeit bei unter einem Prozent. Und der Anteil der Wälder mit natürlicher Entwicklung betrug 2020 nur 3,1 Prozent. Das Fünf-Prozent-Ziel war bereits damals gesetzt – es wurde nicht erreicht, sondern verlängert.
Wir Wälder kennen Geduld. Doch die Zeit, in der wir leben, fordert Entschlossenheit. Klimakrise, Kriege und hoher Nutzungsdruck machen klar: Schutz, aufmerksames Beobachten und verständliche Öffentlichkeitsarbeit sind wichtiger denn je.
Weltnaturerbe ist deshalb mehr als ein Status. Es ist ein Auftrag an euch Menschen: Wälder zu bewahren, damit sie bleiben können, was sie sind – lebendige Lebensräume für kommende Generationen.
Synchronsprecherin: Katja Wild